Unglücklich nach der Scheidung: Diese 7 Fragen solltest du dir stellen.

Eine Trennung ist häufig mit Trauer und Trübsinn verbunden. Es ist nicht leicht, auseinanderzugehen, wenn man auf Jahre oder Jahrzehnte gemeinsamer Gestaltung der Zweierbeziehung zurückblickt. Auf die Trennung folgt die offizielle Scheidung, der Moment, wo noch einmal alles hochgekaut wird und anschließend besiegelt. Es ist endgültig.

Vor einigen Tagen traf ich eine gute Bekannte, deren Scheidung etwa 6 Monate zurückliegt. Sie hat sich bis dahin nicht mit dieser Endgültigkeit arrangieren können. Ihre Worte: „In der Beziehung war ich unglücklich und nach der Scheidung bin ich… unglücklich.“

Es fällt nach jeder Trennung schwer, Ratschläge von außen anzunehmen. Zu sehr nagt der Schmerz und man ist noch nicht bereit, die Chance zu ergreifen, um sich selbst neu zu entdecken.

Stelle dir die folgenden 7 Fragen. Welche davon kannst du für dich verwenden, was kannst ändern und wie würdest du sie beantworten, ohne die beschriebene Antwort einzusehen?

 

1. Bin ich unglücklich, weil ich Angst habe, nie wieder glücklich zu werden?

Warum solltest du nie wieder glücklich werden? Deine Ehe hat doch nicht das Glück gepachtet. Sie war lediglich ein Wegbereiter mit mehr oder weniger schönen Momenten. Jeder Lebensabschnitt ist vergänglich. Auch nach einer Scheidung bleibt die Erde nicht stehen, sie dreht sich weiter, und du dich mit ihr.

 

2. Bin ich unglücklich, weil ich den Trennungsschmerz nie überwinden kann?

Aufkommende Gefühle zu unterdrücken bringt nichts. Stelle dich deinem Schmerz, nimm ihn an. Die Tränen müssen raus. Es braucht seine Zeit, in der du 5 Phasen überbrücken musst:

  • Erinnerung: An die schöne Zeit, was habt ihr alles gemeinsam erlebt. Aber auch: Das hat mich traurig gemacht und gestört.
  • Beweinen: Warum passiert mir das? Ich habe so viel verloren.
  • Bewüten: Das habe ich nicht verdient! Du machst deiner Enttäuschung Luft und rechnest ab.
  • Begreifen: Langsam verstehst du, das etwas falsch gelaufen ist. Du bist einen guten Schritt weiter gekommen, um es in der Zukunft besser zu machen.
  • Verändern: Du nimmst Abschied von alten Verhaltenmustern und arbeitest am eigenen Verhalten. Du wirst aufmerksamer, selbstständiger und rücksichtsvoller im Umgang mit dir selbst. 

 

3. Bin ich unglücklich, weil ich nicht weiß, wie es nun finanziell weiter geht?

Nicht nur mental stellt die Scheidung einen Entzug von Möglichkeiten dar, die man vorher zur Verfügung hatte. Die finanzielle Abhängigkeit steht im Raum, insbesondere dann, wenn man mit den Kindern zurückbleibt und selbst noch nicht arbeiten gehen kann. Aber schau dich um, wievielen Menschen ist es nach einer Scheidung gelungen? Finanzielle Geborgenheit
ist immer abhängig von der eigenen Anspruchshaltung.

 

4. Bin ich unglücklich, weil mir meine Trennung so unangenehm vor anderen Menschen ist?

Warum interessiert es dich, was dein Umfeld von der Scheidung denkt? Unterstützen sie dich, helfen sie dir über deinen Schmerz hinweg oder sind sie sonst irgendwie geneigt, dir Gutes zu tun? In der Regel sind es gute Freunde, oder die Familie, welche dir über den größten Schmerz hinweghelfen. Konzentriere dich auf dich, auf deine Stärken und sei dir bewusst darüber, dass das, was jetzt passiert seine Richtigkeit hat, sonst wäre es nicht passiert.

 

5. Bin ich unglücklich, weil ich nun allein bin?

Zu zweit ist vieles einfacher, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber Alleinsein kann auch viel Gutes mit sich bringen. Es ist deine Zeit, dich endlich mit dir selbst auseinanderzusetzen. Jeder Partnerschaft obliegt ein Nehmen und Geben. Jetzt hast du die Gelegenheit nur dir etwas zu schenken. Nutze diese Zeit und orientiere dich neu. Es ist dein Leben!

 

6. Bin ich unglücklich, weil ich nicht weiß, wie ich mein Leben allein bewältigen soll?

Du hast eigene Fähigkeiten und Stärken. Möglicherweise sind sie in deiner Ehe sogar zu kurz gekommen. Jetzt ist deine Gelegenheit, sich diesen Fähigkeiten zu widmen. Frei von Unterbrechungen startest du dein ganz eigenes „Ding“. Schon bald wirst du feststellen, wie wertvoll es ist, vieles allein geschafft zu haben. Du gewinnst an innerer Stärke und lernst, dir mehr und mehr zu vertrauen.

 

7. Bin ich unglücklich, weil es mir nicht gelingt endlich loszulassen?

Das Loslassen erfolgt über die bereits erwähnten 5 Phasen. Nimm dir diese Zeit und schenke dir Aufmerksamkeit. Entscheidend ist, dass es dir, bei allem, was du tust, gut geht. Auch wenn du wütend und traurig bist, erfährst du Gefühle, die durchaus legitim sind. Nimm sie an, denn nur so kannst du sie auch loslassen.

Ein nicht unbedeutender Faktor nach einer Scheidung: die Schuldfrage. Wenn du beginnst, die Schuld an der Scheidung bei dir zu suchen, wirst du ganz sicher kein Glück erfahren. Ebenso unverträglich ist es, die gesamte Schuld auf den ehemaligen Partner zu übertragen. Hilfreicher ist es, ein gutes Verhältnis anzupeilen und sich mit dem Partner weitgehend zu arrangieren. „Erst wenn ich ohne dich leben kann, kann ich mit dir leben.“ Daran wächst du und erfährst ein gestärktes Selbstwertgefühl.

Nichts ist für die Ewigkeit- lerne dich selbst zu lieben! Hermann Hesse sagte einst: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ Wenn eine Partnerschaft zerbricht, kommt das nicht von ungefähr. Sie zerbricht, weil es vorher schon nicht gut war.

 

Gib dir die Erlaubnis eine Zeit lang zu trauern, aber irgendwann darfst du auch damit aufhören und beginnen zu leben und zu lieben!

Tipp: Übe dich in kurzen Meditationen zur Selbstliebe. Höre auf deine innere Stimme, die dir sagt, es ist gut so, wie es ist. Denn ich mag mich, wie ich bin.

Benenne deine Gefühle. Bei der Meditation kannst du lernen, sie fließen zu lassen, ohne dich mit ihnen zu identifizieren.
Schließe dazu die Augen, atme ganz ruhig und natürlich, und richte deine Aufmerksamkeit sanft und entspannt auf die Atmung.
Beobachte, welche Gedanken in dir auftauchen. Welche Gefühle verbindest du mit diesen Gedanken. Ist es Wut, Ärger oder Traurigkeit? Analysiere dieses Gefühlsregungen nicht und halte auch nicht an ihnen fest. Benenne sie, und gehe mit deiner Konzentration wieder zum Atem zurück. Beobachte nun, wie sich die Gefühle verändern. Bleibe in der Position des Beobachters. Liebevoll sagt er ja, zu dem, was ist. Bleibe ruhig und gelassen. Deine Übung beendest du mit bewussten, tiefen Atemzügen.