Nebenberufliche Selbstständigkeit: dein großer Ratgeber

Für den Start in die nebenberufliche Selbständigkeit braucht es oft nicht viel mehr als ein Laptop.

Du würdest dich gern selbstständig machen – aber du bist dir noch nicht ganz sicher, ob dein Projekt Erfolg haben wird? Mit einer einfachen Strategie kannst du risikolos deine Geschäftsidee ausprobieren: Arbeite für eine Weile weiter in deinem Job und mach dich vorläufig nur nebenberuflich selbstständig. So stellst du bald fest, ob dein Business Erfolg haben wird. Es gibt auch noch mehr Gründe, um sich nebenbei selbstständig zu machen. Frauen mit Kindern oder Alleinerziehern bietet eine nebenberufliche Selbstständigkeit die Möglichkeit, immer dann zu arbeiten, wenn sie gerade Zeit haben. Und ein weiteres Argument für eine nebenberufliche Existenzgründung: Du brauchst weniger Anfangskapital, wenn du vorerst nur nebenberuflich selbstständig wirst.

 

Voraussetzungen für eine nebenberufliche Selbstständigkeit

Um dich für oder gegen eine nebenberufliche Selbstständigkeit zu entscheiden, solltest du genau wissen, was mit diesem Begriff gemeint ist. Deine Selbstständigkeit gilt so lange als nebenberuflich, wie du den Großteil deiner Einkünfte aus anderen Quellen beziehst. Übrigens sind dabei alle deine Bezüge gemeint, nicht nur ein etwaiges Gehalt. Auch Einkünfte wie beispielsweise Kindergeld, Rente, Mieteinnahmen oder Arbeitslosengeld gehören dazu. Wenn weniger als die Hälfte deines Einkommens aus Einnahmen besteht, die du durch selbstständige Teilzeitarbeit erzielst, bist du nebenberuflich selbstständig. Außerdem spielt die Zeit eine Rolle, die du damit verbringst, nebenberuflich selbstständig zu arbeiten. Normalerweise solltest du nicht mehr Stunden pro Woche in deine nebenberufliche Selbstständigkeit investieren als du für deinen sozialversicherungspflichtigen Job aufwendest. Aber ehrlich gesagt: Wer kann das schon nachprüfen?

Damit du mit deiner nebenberuflichen Existenzgründung Erfolg hast, solltest du dir einige Fragen stellen. Das fängt damit an, ob du dich gut in Eigenregie organisieren kannst. Kannst du selbst Strukturen schaffen oder fühlst du dich wohler, wenn dir jemand den Rahmen für deine Arbeit vorgibt? Wenn dir ein fertiger Rahmen lieber ist, wirst du dich wahrscheinlich mit einem der über 1.500 in Deutschland geprüften Franchise-Konzepte wohl fühlen. In jedem Fall wirst du ziemlich viel Selbstdisziplin benötigen, um deinen neuen Job auch ohne das wachsame Auge eines Abteilungsleiters zu erledigen. Falls du den Einstieg in die nebenberufliche Selbstständigkeit ausprobieren möchtest und zusätzlich deine bisherige Arbeit zu erledigen hast, wird es für eine Weile eng mit der Freizeit. Hast du genügend Motivation, diese Zeit zu investieren?

Im Optimalfall hat deine Geschäftsidee schon bald Erfolg. Dann kannst du dir überlegen, ob du deine nebenberufliche Selbstständigkeit nicht in eine hauptberufliche Selbstständigkeit umwandeln möchtest. So nimmst du dein Schicksal völlig in die eigene Hand und bist komplett autonom. Es gibt aber einige Gründe dafür, dich zu Anfang erst einmal nebenberuflich selbstständig zu machen:

  • weniger Erfolgsdruck
  • vorläufig finanziell abgesichert bleiben
  • Sozialversicherungsschutz behalten
  • Geschäftsideen ausprobieren
  • Fähigkeiten und Eignungen austesten

 

Förderprogramme und Zuschüsse für deine nebenberufliche Selbstständigkeit

Auch wenn du dich nur nebenbei selbstständig machen möchtest, kannst du Fördermittel vom Staat erhalten. Je nach Bundesland gibt es verschiedene Förderprogramme, auf die du ein Anrecht hast. Es gibt auch bundesweite Programme wie beispielsweise die Förderung der Vorgründungsberatung durch Unternehmensberater. Sobald du dich eine Weile durch den Dschungel der Fördermöglichkeiten gekämpft hast, vergeht dir garantiert erst einmal die Lust auf Fördermittel. Allein schon der Businessplan, den du brauchst, um überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben: Im Internet findest du zwar Vorlagen dazu – aber wer beurteilt, ob die auch so sind, wie das jeweilige Amt es haben möchte? Ebenso gibt es Fristen, die eingehalten werden müssen. Der eine Antrag muss vor der offiziellen Gründung eingereicht werden, den anderen kannst du erst dann stellen, wenn du deine nebenberufliche Selbstständigkeit schon beim Finanzamt gemeldet hast und der nächste Antrag darf erst gestellt werden, wenn du bereits eigenes Geld investiert hast.

Lass dich davon aber nicht abschrecken! Diese Gelder stehen dir als Existenzgründer zu und in vielen Fällen hast du sogar ein verbrieftes Anrecht darauf. Genau aus diesem Grund bietet der Staat künftigen Existenzgründern einen massiven Zuschuss zu den Kosten einer Vorgründungsberatung durch eine Unternehmensberatung an. Diese Firmen sind immer auf dem letzten Stand. Ihre Mitarbeiter erarbeiten mit dir im Rahmen der Vorgründungsberatung einen professionellen Businessplan – selbst wenn du dich erst einmal nur nebenberuflich selbstständig machen möchtest. Das Beste dabei ist: Du zahlst nur einen geringen Prozentsatz der Beratungskosten, den Rest bekommt die Unternehmensberatung direkt vom Staat. Je nach Umfang deines Projekts können zwei bis fünf Tagessätze bezuschusst werden. Du brauchst also kaum etwas zu investieren, um deine Geschäftsidee von Profis durchleuchten zu lassen und einen korrekten Businessplan in die Hände zu bekommen. So kannst du auch für dich selbst abschätzen, ob es sich lohnt, deine Idee in dieser Form weiter zu verfolgen.

 

Nebenberuflich selbstständig machen als Arbeitsloser

Wenn du Hartz IV Empfänger bist oder AlG I beziehst, ist es erlaubt, dich nebenbei selbstständig zu machen. Du kannst bis zu 15 Stunden wöchentlich einer selbstständigen Arbeit nachgehen, ohne den Anspruch auf deine Bezüge durch die Agentur für Arbeit zu verlieren. Allerdings gelten bestimmte Hinzuverdienstgrenzen. AlG I Empfänger können bis zu 165 Euro monatlich nebenbei verdienen, ohne dass ihnen etwas vom Arbeitslosengeld abgezogen wird. Bei AlG II Empfängern ist die Hinzuverdienstgrenze 100 Euro. Deinen Gewinn machst du deinem Sachbearbeiter beim Arbeitsamt jeden Monat durch eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung glaubhaft. Dabei rechnest du Betriebsausgaben und Einkünfte gegeneinander auf.

Richtig interessant wird es aber erst, wenn du eine hauptberufliche Existenzgründung planst. Dann kannst du nämlich Fördermittel vom Arbeitsamt beantragen. Als Bezieher von AlG I kannst du einen Gründerzuschuss beantragen, wenn du zum Zeitpunkt deiner Existenzgründung für noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld hast. Allerdings muss „der zeitliche Umfang der selbständigen Tätigkeit zur Beendigung der Arbeitslosigkeit führen und mindestens 15 Stunden wöchentlich betragen.“ Der Gründerzuschuss besteht aus folgenden Leistungen: Sechs Monate lang erhältst du einen Zuschuss in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengelds plus 300 Euro zur sozialen Absicherung. Diese 300 Euro können auch noch neun Monate länger gewährt werden.

Für Empfänger von AlG II gibt es eine andere staatliche Beihilfe zur Existenzgründung: das Einstiegsgeld. Interessant dabei ist, dass diese Förderung auch bei der Umwandlung deiner nebenberuflichen in eine hauptberufliche Selbstständigkeit gezahlt werden kann. Der Antrag auf Förderung muss aber in jedem Fall vor der Aufnahme deiner hauptberuflichen selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. Dein Fallmanager im Jobcenter prüft deinen Antrag im Hinblick auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit deines Projekts und deine persönliche Eignung. Die beste Möglichkeit ihn von deinem Vorhaben zu überzeugen ist ein professioneller Businessplan. Wird dein Antrag bewilligt, erhältst du ab dem Moment deiner Existenzgründung für bis zu 24 Monate lang 50 bis 100% deiner Bezüge durch AlG II. Außerdem kannst du einen Investitionszuschuss für die Beschaffung notwendiger Sachgüter von bis zu 5.000 Euro beantragen. Weitere Informationen zum Gründerzuschuss und zum Einstiegsgeld erhältst du beim Arbeitsamt.

 

Dein Businessplan: von der Vision zur Realität

Auch wenn du erst einmal nur nebenberuflich selbstständig werden möchtest, ist der Businessplan für dein geplantes Projekt ein absolutes Muss. Zum einen, damit du Fördergelder beantragen kannst und zum anderen, um die Grenzen des Machbaren zu erkennen. Zuerst hattest du eine gute Idee. Die hat dir genug Energie gegeben, um etwas Neues in Angriff zu nehmen. Damit deine Vision jetzt Wirklichkeit wird, brauchst du aber noch mehr als Kreativität und Durchhaltevermögen. Wenn du deine Businessidee realisieren willst, musst du sie in die um dich herum vorhandenen Strukturen einpassen. Du solltest erst einmal theoretisch durchspielen, welche Chancen und Risiken dein Projekt birgt. Und du solltest kalkulieren, wie die finanzielle Seite deiner Vision aussieht. Ansonsten kann es passieren, dass deine Vision im Land der Träume hängen bleibt.

Deshalb gibt es den Businessplan. Das ist der theoretische Unterbau für deine Vision. Und der Businessplan ist so aufgebaut: In einem 20 bis 30 Seiten langen Textteil – bei komplexeren Vorhaben können es auch um die 50 Seiten sein – wird dein Konzept erklärt. Dabei werden alle Aspekte deiner Geschäftsidee beleuchtet: Marktlage, persönliche Eignung, eventuelle Vorkenntnisse in der Branche, vorhandene Kontakte, Risiken und noch viel mehr. Dem schriftlichen Teil folgt die Finanzplanung. Sie zeigt auf inwieweit sich dein Konzept lohnt. Zur Finanzplanung gehört unter anderem die Umsatzplanung, die Rentabilitätsrechnung und die Liquiditätsplanung für drei Jahre nach der Gründung deines Unternehmens.

Wenn ein ehemaliger Schulkamerad von dir Bankangestellter ist, kannst du ihn vielleicht bei einer Party mit deiner Businessidee begeistern. Sobald du aber als Kunde seine Bankfiliale betrittst und nach einem – möglichst subventionierten – Kredit für deine nebenberufliche Existenzgründung fragst, will er deinen Businessplan sehen. Egal wie gut deine Idee ist, er vertritt seine Bank und möchte Beweise dafür, dass sie auch durchführbar ist. Wenn du Zuschüsse oder Fördermittel zur Existenzgründung vom Staat erhalten möchtest, geht es dir nicht anders. Und sogar ein Arbeitsloser, der sich nebenbei selbstständig machen und etwas Geld dazu verdienen möchte, braucht einen Businessplan. Ob du ihn selbst bastelst oder die staatliche Förderung der Vorgründungsberatung in Anspruch nimmst: du kommst ohne ihn nicht aus. Institute geben kein Geld für abstrakte Visionen.

 

Vorsicht Falle!: die Schein-Selbstständigkeit

Du hast eine Möglichkeit gefunden, wie du nebenbei selbstständig etwas Geld dazu verdienen kannst? Super! Bevor du dir jetzt Gedanken um die Gewerbeanmeldung und andere Formalitäten machst, solltest du erst einmal abklären, ob es sich bei deinem neuen Job auch wirklich um eine selbstständige Tätigkeit handelt. Es gibt nämlich unseriöse Firmen auf dem Arbeitsmarkt, die Sozialabgaben einsparen möchten. Deshalb rekrutieren sie häufig Mitarbeiter als sogenannte „Freelancer“. Unter einem „Freelancer“ oder „freien Mitarbeiter“ versteht man Freiberufler, die selbstständig für verschiedene Auftraggeber arbeiten. Sie tragen – wie jeder Selbstständige – das Risiko ihrer existenziellen Absicherung völlig allein. Eine Scheinselbstständigkeit beinhaltet meistens die Nachteile der echten Selbstständigkeit, gewährt dir aber nicht deren Vorteile.

Es gibt bestimmte offizielle Kriterien zur Definition der Scheinselbstständigkeit. Wenn drei oder mehr der folgenden Sachverhalte auf deine Tätigkeit zutreffen, wirst du als scheinselbstständig angesehen und hast unter Umständen mit Nachzahlungen zur Sozialversicherung zu rechnen:

  • du kannst deine Arbeitsstelle nicht frei wählen
  • du kannst nicht selbstständig über deine Arbeitszeiten entscheiden
  • du wirbst nicht selbst eigene Kunden an
  • mehr als 83% deines Umsatzes stammen von einem einzigen Kunden
  • du legst deine Honorare nicht selbst fest
  • du verrichtest bei einem Kunden eine Tätigkeit, die du vorher als Arbeitnehmer ausgeübt hattest

 

Falle II: der große Irrtum mit den 450 Euro

Heutzutage weiß so ziemlich jeder, dass man bis zu 450 Euro steuerfrei dazuverdienen kann. Du sagst dir also: „Super! Mehr kann ich sowieso nicht neben meinem Job verdienen. Dazu reicht meine Zeit gar nicht. Also kann ich mir den Gang zum Finanzamt sparen.“ Mach das bloß nicht! Wenn du dich nebenberuflich selbstständig machst, musst du alle Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, die 410 Euro im Jahr übersteigen, beim Finanzamt angeben. Der Knackpunkt ist folgender: Die 450 Euro-Regelung gilt für Minijobs und nicht für Selbstständige. Du fragst dich warum? Das liegt einfach daran, dass du bei einem Minijob Arbeitnehmer bist und kein Selbstständiger. Bei einem Minijob zahlt dein Arbeitgeber eine Pauschale für Steuern und Sozialabgaben, auch wenn du selbst keine Abgaben bezahlen musst. Selbst wenn du nur nebenbei selbstständig arbeitest, bist du verpflichtet, deine Tätigkeit beim Finanzamt oder beim Gewerbeamt anzuzeigen. Im nächsten Absatz erfährst du, welches Amt für dich zuständig ist.

 

Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Wenn du dich nebenberuflich selbstständig machen möchtest kann es sein, dass du einen Gewerbeschein brauchst. Vielleicht gehört deine zukünftige Tätigkeit aber auch zu den sogenannten „freien Berufen“. In der Gewerbeordnung ist festgelegt, welche Berufe zu den freien Berufen gehören und welche als gewerbliche Berufe gelten. Zu den klassischen freien Berufen zählen Rechtsanwalt, Steuerberater, Dolmetscher, Arzt, Architekt und Ingenieur. Laut Gewerbeordnung werden aber auch „ähnliche Berufe“ als freie Berufe angesehen. Dazu gehören unter anderem Schriftsteller, SEO-Texter, Dozent, Unternehmensberater, EDV-Berater, Künstler, Designer, Bildhauer, Raumgestalter, Visagist, Musiker, Tanzlehrer, Reitlehrer, Fotograf oder Schauspieler. Als Faustformel gilt: Freiberufler sind in schriftstellerischen, künstlerischen, erzieherischen oder wissenschaftlichen Bereichen tätig, die nicht unter die Gewerbeordnung fallen.

Leider wird nicht jeder Tätigkeitsbereich überall gleich eingestuft. Wenn du dich beispielsweise als Tagesmutter nebenbei selbstständig machen möchtest, sind die Vorschriften je nach Bundesland verschieden. Aber du musst sowieso spätestens innerhalb der ersten vier Wochen nach Aufnahme deiner Tätigkeit zum Finanzamt, um deine Steuernummer zu beantragen. Dort kennen die Sachbearbeiter die Gesetzeslage. Ansonsten kannst du auch beim zuständigen Gewerbeamt nachfragen. Übrigens brauchst du als Freiberufler keine Gewerbesteuer zu bezahlen. Aber auch wenn du nur nebenberuflich selbstständig bist: Um die Einkommensteuer kommst du nicht herum. Sobald du nebenbei mehr als 410 Euro pro Jahr Gewinn machst, musst du eine Steuererklärung abgeben und vielleicht sogar Einkommensteuer bezahlen. Allerdings liegen die Freibeträge so hoch, dass du im ersten Jahr wahrscheinlich keine Steuern zu zahlen brauchst.

 

Wie hoch ist mein Freibetrag bei der Einkommensteuer?

Diese Frage dürfen wir dir nicht konkret beantworten. Wir können dir nur nach bestem Wissen allgemeine Hinweise geben. In Deutschland darf steuerliche Beratung nur durch einen Steuerberater erfolgen. Mit unseren Hinweisen kannst du dir aber ganz einfach selbst ausrechnen wie hoch dein Steuerfreibetrag sein wird, wenn du nebenbei selbstständig arbeitest. In jedem Fall steht dir ein Grundfreibetrag zu. Der ändert sich ab und zu – 2016 lag er beispielsweise bei 8.820 Euro pro Kalenderjahr und Person. Wenn du Kinder hast, kannst du dir aussuchen, ob du lieber Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen möchtest. 2016 belief sich der Kinderfreibetrag auf 7.365 Euro.

Falls du Geldanlagen hast, steht dir ein Sparerpauschbetrag zu. 2016 lag dieser bei 801 Euro. Als Alleinerzieher/in hast du das Anrecht auf einen Alleinerzieherentlastungsbetrag in Höhe von 1908 Euro. Ab dem zweiten Kind erhöht sich dieser Betrag auf 2.148 Euro (Daten von 2016). Falls du 2016 ein volljähriges Kind hattest, das nicht bei dir zuhause wohnte und sich in Ausbildung befand – und du Anspruch auf das Kindergeld oder den Kinderfreibetrag hattest – konntest du dich über den Ausbildungfreibetrag von 924 Euro freuen. Und hier noch eine Überraschung: Solltest du ehrenamtlich als Trainer in einem Turnverein oder einer anderen gemeinnützigen Einrichtung engagiert sein, steht dir der Übungsleiterfreibetrag zu. 2016 waren das immerhin 2.400 Euro. Außerdem gibt es noch den Altersentlastungsbetrag für Steuerpflichtige ab 65, der 2016 bei 988 Euro pro Jahr lag.

 

Wie ist das mit der Gewerbesteuer?

Auch hier gilt: Die von uns gemachten Aussagen erfolgen nach bestem Gewissen und ersetzen keine steuerliche Beratung. Verliere nicht den Mut, wenn der Job, mit dem du dich nebenberuflich selbstständig machen möchtest, zu den gewerblichen Berufen gehört. Du bist dann zwar theoretisch zur Zahlung von Gewerbesteuer verpflichtet – aber der Steuerfreibetrag im Rahmen der Gewerbesteuer liegt für Einzelunternehmer und Personengesellschafter bei 24.500 Euro pro Jahr. Du musst schon sehr erfolgreich sein, wenn du mit deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit so viel Gewinn erwirtschaften kannst.

 

Wer muss Umsatzsteuer bezahlen?

Schon wieder diese langweilige Einleitung: Wir sind keine Steuerberater und geben dir deshalb nur allgemeine Informationen zu diesem Thema. Aber jetzt kommt gleich eine gute Nachricht für alle, die sich nebenberuflich selbstständig machen möchten. Wer nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaftet, kann sich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Dazu gibt es die sogenannte „Kleinunternehmerregelung“. Sag einfach dem Sachbearbeiter beim Finanzamt, dass du vorhast, nur einige Stunden nebenbei selbstständig zu arbeiten. Und dass du dir nicht vorstellen kannst, mehr als 17.500 Euro Umsatz im Jahr zu machen. Dann brauchst du keine Umsatzsteuer zu zahlen und deine Steuererklärung wird viel einfacher.

 

Deine Steuererklärung selbst ausfüllen

Noch Mal zur Sicherheit: Wir liefern dir hier nur allgemeine Informationen zum Thema. Rechtsverbindliche Auskünfte erhältst du ausschließlich von einem Steuerberater. Für die Steuererklärung brauchst du als Freiberufler oder Kleinunternehmer aber nicht unbedingt einen Steuerberater. Du kannst deine Steuererklärung auch online erstellen. Und das ist nicht einmal besonders schwierig. Am besten lässt du es dir bei deiner ersten Steuererklärung von jemandem zeigen, der sich mit dem Thema auskennt.

Wenn du niemanden in deinem Bekanntenkreis hast, der seine Steuererklärung selbst verfasst, solltest du vielleicht doch zu einem Steuerberater gehen. Aber falls du es dir zutraust, kannst du dich auch gleich beim ersten Mal allein durch den Dschungel aus Anmerkungen kämpfen. An sich gibt es ausreichend Kommentare zu den auszufüllenden Feldern und mit etwas Übung kannst du bald problemlos deine Steuererklärung selbst verfassen.

 

Buchhaltung oder Einnahme-Überschussrechnung EÜR

Wir sind immer noch keine Steuerberater und geben dir deshalb nur unverbindliche Auskünfte zu diesem Thema. Solange du nebenberuflich selbstständig bist und dein Betrieb unter die Kleinunternehmerregelung fällt, brauchst du dich nicht mit Buchhaltung auszukennen. Du musst nur deinen jährlichen Gewinn mittels der Einnahme-Überschussrechnung ermitteln. Für das Ausfüllen der Anlage EÜR zur Steuererklärung findest du im Internet ausführliche Anleitungen. Als Basisdaten für die Einnahme-Überschussrechnung dienen dir gesammelte Quittungen, deine Rechnungen und die Zahlungsbelege deiner Kunden.

Deshalb sammelst du das ganze Jahr über alle Belege über deine Einnahmen und Betriebsausgaben und heftest sie schön ordentlich in getrennten Ordnern nach Datum sortiert ab. Kontoauszüge deines Geschäftskontos hebst du natürlich auch auf. Die gesammelten Belege brauchst du nicht beim Finanzamt einzureichen. Sie bleiben bei dir im Büro – für den Fall, dass eines Tages ein Betriebsprüfer bei dir auftauchen sollte.

 

Betriebskosten: Was kann ich von der Steuer absetzen?

Und schon wieder: Dieser Absatz ersetzt keine Beratung durch einen Steuerberater und dient nur der allgemeinen Information. Laut § 4 Absatz 4 des Einkommensteuergesetzes sind Betriebskosten Ausgaben, die durch den Betrieb deines „Unternehmens“ veranlasst sind. Auch wenn du nur nebenbei selbstständig arbeitest, kannst du Ausgaben, die durch dein Projekt verursacht worden sind, als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Damit diese Ausgaben vom Finanzamt akzeptiert werden, müssen sie „üblich, erforderlich und zweckmäßig sein“. Wenn du einen Online-Shop angemeldet hast, wird das Finanzamt wohl kaum die Rechnung eines Restaurants als „Bewirtungskosten“ akzeptieren. Du hast ja keinen persönlichen Kontakt mit deinen Kunden. Anders sieht es dann wieder aus, wenn du dich als Fotograf oder im Bereich Journalismus nebenberuflich selbstständig gemacht hast. In diesen Branchen kann es schon häufiger vorkommen, dass du dich mit einem Kunden zum Essen triffst.

Für jemanden, der sich nebenberuflich als selbstständiger Taxifahrer etwas dazu verdient, gehört das Benzin, die Versicherung und die Wartung des Taxis in jedem Fall zu seinen Betriebskosten. Falls du aber nebenberuflich einen Antiquitätenladen betreiben möchtest, kannst du nicht einfach nach der Gewerbeanmeldung sämtliche Kosten für dein Auto von der Steuer absetzen. Wenn du dir wegen eines Postens nicht sicher bist, kannst du dich bei einem Steuerberater erkundigen. Oder du informierst dich auf offiziellen Seiten im Internet. Folgende Betriebskosten kannst du, wenn sie verhältnismäßig sind, steuerlich absetzen:

  • Kfz-Kosten
  • Lohn- und Gehaltszahlungen
  • Geschäftsreisen
  • Telefon- und Internetkosten
  • Miete
  • Steuern
  • Warenvorräte
  • Werbegeschenke
  • Dienstleistungen
  • Darlehen und Zinsen

Größere Anschaffungen für deinen Betrieb kannst du über mehrere Jahre hinweg abschreiben lassen. Das ist aber so kompliziert, dass du dazu lieber einen Steuerberater konsultieren solltest.

 

Gewerbeschein? Kein Problem!

Laut § 14 der Gewerbeordnung ist jeder, der anfängt ein Gewerbe zu betreiben, verpflichtet, dies der zuständigen Behörde mitzuteilen. Also muss jeder, der kein Freiberufler ist, sein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Wobei das kein Problem ist. Das zuständige Gewerbeamt findest du meistens in der Gemeinde- oder Stadtverwaltung. Am besten lädst du dir schon daheim aus dem Internet eine Vorlage für deine Gewerbeanmeldung herunter. Anschließend füllst du alle Felder aus, bei denen du keine Fragen hast. Dann steckst du deinen Personalausweis oder Reisepass ein und auf zum Gewerbeamt!

Als Nicht-EU-Bürger brauchst du auch noch deine Aufenthaltserlaubnis oder andere entsprechende Papiere. Handwerker benötigen außerdem ihre Handwerkskarte. Nach § 38 der Gewerbeordnung gehört der An- und Verkauf von hochwertigen Konsumgütern wie beispielsweise Unterhaltungselektronik zu den „überwachungswürdigen Gewerben“. Falls du also einen Online-Shop für Handys eröffnen möchtest, brauchst du bei deiner Gewerbeanmeldung zusätzlich ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister.

Die Gebühr für deine Gewerbeanmeldung ist je nach Gewerbeamt unterschiedlich hoch. Üblicherweise liegt sie zwischen 10 und 40 Euro. Auf dem Gewerbeamt geht der zuständige Sachbearbeiter mit dir deine Gewerbeanmeldung durch. Noch nicht ausgefüllte Felder ergänzt ihr zusammen. Wenn du alle nötigen Papiere dabei hast, ist das Ganze in weniger als einer halben Stunde erledigt und du bekommst deinen Gewerbeschein. Alle anderen offiziellen Stellen wie das Finanzamt, die IHK und das Amtsgericht werden vom Gewerbeamt über deine Gewerbeanmeldung informiert.

 

Versicherungen bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit

Wenn du zusätzlich zu deinem normalen Job noch nebenberuflich selbstständig bist, kannst du deine gesetzliche Krankenversicherung behalten. Du brauchst also keine eigene Krankenversicherung, obwohl du Teilzeit-selbstständig bist. Das geht aber nur, wenn deine Haupteinnahmen aus deiner sozialversicherungspflichtigen Arbeit stammen und du nicht mehr als 18 Stunden pro Woche nebenbei selbstständig arbeitest. Ansonsten brauchst du eine freiwillige oder private Krankenversicherung. Um den Krankenversicherungsschutz der studentischen Krankenversicherung nicht zu verlieren, dürfen Studenten während des Semesters nur bis zu 20 Stunden selbstständig arbeiten. In den Semesterferien ist Vollzeitarbeit gestattet.

Für die Rentenversicherung gilt prinzipiell dasselbe. Wenn du allerdings neben deinem Job einer selbstständigen Arbeit als Lehrer, Erzieher, Krankenschwester, Hebamme oder Handwerker nachgehst, bist du auch als Selbstständiger im Nebenberuf rentenversicherungspflichtig. Falls du im Hauptberuf eine Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft abgeschlossen hast, gilt diese in keinem Fall auch für deinen Nebenberuf. Sollte dein selbstständiger Nebenjob Unfallrisiken bergen ist es günstig, dafür eine eigene Unfallversicherung abzuschließen. Außerdem solltest du prüfen, ob der Abschluss einer berufsbezogenen Haftpflichtversicherung sinnvoll ist.

 

Schritt für Schritt nebenberuflich selbstständig machen – deine Checkliste:

  • Geschäftsidee entwickeln
  • Businessplan erstellen
  • Fördermittel beantragen
  • Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit beim Finanzamt melden
  • oder Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden
  • eventuell Zusatzversicherungen abschließen
  • und durchstarten!